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Ich weiss das mein Erlöser lebt

Während die Jünger heimkehrten, blieb Maria von Magdala beim Grab zurück und weinte. Sie sah die leere Grabeskammer mit den Leinenbinden, doch verstehen konnte sie das alles nicht; allein aus Liebe verharrte sie dort und weinte, ohne zu wissen, dass es keinen Grund gibt, zu weinen.

Sie weint, weil sie glaubt, man hätte ihren Herrn weggenommen; sie sieht ihn hinter sich stehen, erkennt ihn aber nicht. Zu sehr ist sie mit ihren Gedanken beschäftig, als dass sie ihn erkennen könnte. Sie wendet sich ihm zu und sieht in ihm einen Fremden. Das erste Wort, das der Evangelist Johannes dem Auferstandenen in den Mund legt, ist eine Frage: „Frau, warum weinst du? Wen suchst du?“ Es ist dieselbe Frage, die Jesus den ersten Jüngern gestellt hat („Was sucht ihr?"); und auch den Soldaten zu Beginn seines Leidensweges („Wen sucht ihr?"). Es ist die Frage unseres Lebens: „Was suchen wir?".

Maria glaubt, der Fremde sei der Gärtner. Ist das richtig oder falsch? Der Logik von Johannes folgend, gibt es zwei Antworten: Es ist falsch, weil Jesus nicht ein Berufsgärtner ist; dennoch hat Maria recht, denn der auferstandene Christus ist wirklich derjenige, der sich um den Garten kümmert – Garten als Symbol für Eden, ein Ort der Begegnung zwischen Gott und den Menschen. In ihren Gedanken gefangen, bleibt Maria bei ihrer falschen Idee, bis sie hört, wie sie beim Namen gerufen wird.

Der Ton, mit dem Jesus Marias Namen ausspricht, muss entscheidend gewesen sein: Ein leiser Vorwurf und Enttäuschung kommt ihr entgegen, doch noch vielmehr die Sehnsucht, sie möge erwachen und verstehen. Jetzt erst erkennt sie die Stimme. Es ist wie ein Stich ins Herz. Nun wendet sie sich innerlich um und es gehen ihr die Augen auf. Über ihre Lippen kommt nur ein einziges Wort in ihrer Muttersprache: „Rabbuni“ (Meister)! Mit aller Zuneigung des Herzens wirft sie sich Jesus zu Füßen, um ihn festzuhalten, aber der Auferstandene will nicht zurückgehalten werden und erklärt ihr, dass er nicht zu seinem früheren Zustand zurückgekehrt, sondern über das irdische Leben hinausgegangen und in der Herrlichkeit Gottes angekommen ist. 

Jesus sagt zu ihr: „Halte mich nicht fest, denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen.“ Doch ich bin wirklich auferstanden und sende dich zu meinen Brüdern und Schwestern. Verkünde ihnen die gute Nachricht von der Liebe, die den Tod überwunden hat. Mein Vater ist nun auch euer Vater; Mein Gott ist auch euer Gott. Euch allen steht der Weg offen, in Gemeinschaft mit Gott zu leben. 

Dieser gläubigen Frau, Symbol für die neue Menschheit und Kirche, wurde eine Erfahrung geschenkt, die jede von uns auch gerne machen möchte. Vertrauensvoll richten wir unsere Bitte an den auferstandenen Jesus: O Herr, gib mir, dass kein neuer Morgen anbricht, ohne dass meine Gedanken sich deiner Auferstehung zuwenden, um mein Leben zu erleuchten,  und ohne dass ich mich mit meinen bescheidenen Gaben aufmache zum leeren Grab im Garten! O Herr, gewähre mir, dass jeder neue Morgen für mich ein Ostermorgen werde! Und dass jeder Tag und jedes Erwachen, das mir die Freude von Ostern bringt, mir auch die tiefe Bekehrung bringt, die es mir ermöglicht, meine alten Bilder von dir loszulassen und mich dir heute neu zuzuwenden! O Herr, gib mir, dass jedes meiner Erwachen ein Erwachen deiner wahren Gegenwart ist, eine Osterbegegnung mit Christus im Garten, genau dieser unerwartete Christus, der meine Gedanken stört, aber mein Herz mit einer neuen Begeisterung entzündet. O Herr, schenke mir, dass ich in jedem Ereignis des Tages höre, wie du mich beim Namen rufst, so wie du damals gerufen hast: «Maria!». Dann, O Herr, gewähre mir, mich dir zuzuwenden und dir zu antworten, mit nur einem Wort, aber das aus ganzem Herzen: „Meister!“.
 

Don Claudio Doglio, Professor für Heilige Schrift an der Theologischen Fakultät von Mailand und Pastor der Pfarrei Saint Ambroge / Varazze (Italien)


 

Es ist die Frage unseres Lebens:

 "Was suchen wir?.”

"Mein Gott ist euer Gott. Euch allen steht der Weg zu Gott offen."  Jh 20:17