Mutter Bernarda widersteht der Versuchung private Lehrstellen bei reichen und angesehenen Leuten anzunehmen.
1857 erfolgte die Anfrage für eine Erzieherin in eine angesehene Familie nach Salzburg (Österreich). So verlockend und ehrend dieses Angebot auch sein mochte, M. Bernarda wies es entschieden zurück. Sie wollte dem Zweck des Institutes, "In öffentlichen Stadt- und Landschulen der Erziehung der Jugend sich zu widmen", treu bleiben. (M. Bernarda an Zeerleder, 19. Januar 1857) Eine Bestimmung der Konstitutionen verbot übrigens ausdrücklich die Annahme von Hauslehrerinnenstellen.
Die Schwestern wurden von M. Bernardas Haltung geprägt, sich durch Gegner nicht einschüchtern zu lassen.
An verschiedenen Orten in der Diaspora (St. Gallen, Bern) aber auch in der March und in Baar gab es von radikaler, kirchenfeindlicher Seite zum Teil eine erhebliche Gegnerschaft gegen die Lehrschwestern als Ordensangehörige. Ihre Anstellung wurde nicht selten zum Spielball in der Parteipolitik.
Es ist bemerkenswert, dass sich M. Bernarda dadurch nicht leicht abschrecken liess, sondern risikobereit und entschlossen Hand bot, wenn sie von der Bedeutung der Schule überzeugt war. Sie wählte in solchen Fällen sehr sorgfältig tüchtige, erfahrene Lehrerinnen aus, um sie in kritischen Situationen einzusetzen (Sr. Feliziana in St. Gallen 1856).
M. Bernarda war nicht bereit, das Wesentliche der Ordensidentität verwässern zu lassen,
um z.B. eine Schule in Bern zu gründen. In diesem Kanton steht in der Kantonsverfassung von 1846: "Keine dem Kanton fremde religiöse Korporation oder Orden und keine mit demselben verbundene Gesellschaft kann sich auf dem Staatsgebiet niederlassen und kein einer solchen Korporation angehörendes Individuum darf im Staatsgebiet Unterricht erteilen, als mit Bewilligung des Grossen Rates."
Um diese Bestimmung zu umgehen, bezeichnete der Stadtpfarrer die Schwestern als "pädagogische Vereinigung", was M. Bernarda entschieden ablehnte. Trotzdem war M. Bernarda flexibel und konnte sich einer Situation anpassen, z.B. verzichteten die Schwestern auf das Tragen des Schleiers, wenn dies dem Zweck diente.
